Community Meeting in Berlin 3/3: BIZZin3D

Das BIZZin3D Meet up

Pünktlich um 16:00 Uhr startete am 02. Juni 2009 das von Tobias Neisecke und Jan Northoff organisierte 3D-Internet Business Meet Up in den Osramhöfen in Berlin.

Es gab vier Diskussionsrunden, zu denen hochkarätige Vertreter des 3D-Internets eingeladen waren. Ein kurze Übersicht darüber, wer mit wem und zu welchem Thema gesprochen hat
gibt’s auf der Open Sim-Seite von TalenRraspel virtual world ltd., die Übertragungen sind auf ustream.tv
zu sehen.

Eine große Frage, die spürbar im Raum schwebte, war die nach einem möglichen Standard für ein 3D-Internet. Welche Rolle wird Open Simulator künftig spielen, wie wird Linden Lab reagieren, und wo kann man dazwischen noch Geld verdienen?

Die Atmosphäre war dementsprechend kooperativ, denn alle arbeiten an einem großen, wachsenden Projekt. Um uns einen Überblick zu verschaffen, baten wir drei Vertreter virtueller Welten um ein Interview.

Zum Einen war das Stefan Lemper, Geschäftsführer von Club Cooee. Club Cooee ist ein avatarbasierender Instant Messenger und eine Social-Community. Sieht man die Software, hat man das Gefühl, dass diese im Windows-Desktop integriert ist!

Bei Club Cooee verfügt jeder Avatar über einen eigenen Raum, den er mit vorgegebenen Objekten einrichten kann. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, transformerartige Roboter aus verschiedenen Möbeln, eine Achterbahn aus Kerzen und Stühlen, Schwäne aus Schneekugeln, selbst die Erschaffer sind von der Kreativität der Nutzer verblüfft.

Ebenso lässt sich das Äußere des Avatars individuell gestalten. Applikationen wie Webradio-Player, werden künftig durch einen Echtzeit-Videoplayer ergänzt, der ein gemeinsames „Fernsehen“ ermöglichen soll.

Weil die Anwendung direkt auf dem Desktophintergrund läuft, ist das Gefühl, eine Anwendung zu wechseln, sehr gering, wenn sich beispielsweise ein Media- oder Browserfenster öffnet.

Das Alter der User reicht dabei von 8 bis über 30 Jahre! Club Cooee ist eine unterhaltsame Community-Plattform, die ein hohes Maß an Metainformationen der Nutzer überträgt und einfach zu bedienen ist. Die Kosten bestimmt der Nutzer selbst, denn sie sind einzig abhängig davon, wie viel er für die Einrichtung seines Raumes, so wie für die Gestaltung des Avatars ausgeben möchte.

Unsere zweite Interviewpartnerin war Melanie Thielker, Kernentwicklerin bei OpenSimulator seit 2008.

OpenSimulator entstand durch das Reverseengeneering des SecondLife-Protokolls und ist als Open-Source-Produkt in Zukunft vielleicht die einzige echte Alternative zu Second Life und somit für jeden zugänglich. Über eine ausgeklügelte Framework-Architektur ist es möglich, das eigene GRID mit Funktionalitäten zu erweitern. Der Kern von OpenSimulator ist also offen und Anwender können die Software durch AddOns an individuelle Bedürfnisse anpassen. Anspruchsvolle Kundenanforderungen im Rahmen von 3D-Intranet-Anwendungen lassen sich damit durch OpenSimulator realisieren, ggf. auch durch die Anpassung der auf OpenSource basierenden Browser HippoViewer oder Idealist Viewer bzw. den Code von Linden Lab.

Somit gibt es nicht mehr einen zentralen und proprietären Serverkomlex, wie der von Linden Lab. In naher Zukunft kann quasi Jeder eigene 3D-Server betreiben, persönliche Inseln erschaffen, virtuelles Land vermieten und sich an das 3D-Internet anbinden.

Durch die Vernetzung der Servern entsteht ein neuer Grid-Verbund, und die Vernetzung dieser Grids bildet dann ein sogenanntes Hypergrid. Es etabliert sich also das, was wir derzeit als Internet kennen, allerdings mit dreidimensionaler Darstellung. Welche Grids jetzt schon existieren, kann man bei opensimulator.org in der GRID-Liste einsehen.

Melanie Thielker betont, dass sich OpenSimulator auf einer fairen Basis neben Second Life etablieren möchte. Die Entwickler-Community schätzt die vergangenen Leistungen Linden Labs, was allerdings kein Grund wäre, Linden Lab in Bezug auf die künftige Entwicklung von Standards einen Autoritätsstatus zu gönnen.

Mit ihrer Firma 3dhosting.de bietet Melanie Thielker bereits Hosting-Pakete für auf OpenSimulator basierende 3D-Internet und 3D-Intranet-Lösungen an.

Die dritte Unterhaltung führten wir mir Clare Rees von Linden Lab, Marketing-Chefin für Europa.

Um die Essenz der Unterhaltung auf den Punkt zu bringen: Linden Lab ist stolz drauf, die Userzahlen erhöht zu haben, und künftig bemüht, interessante Inhalte generieren zu lassen. Mehr war ihr leider – trotz aller Mühe – nicht zu entlocken.

Anschließend waren wir selbst und wir (Avameo und Partner) selbst auf dem Panel mit dem Thema „Application-Provider“ für 3D-Internet-Infrastrukturen. Hier waren Languagelab, DXExchange, Second Inventory vertreten. Languagelab bietet Sprachkurse in Second Life an, DXExchange tauscht echtes Geld in Lindendollar, Second Inventory macht Backups von virtuellen Gegenständen auf physischen Festplatten außerhalb von Second Life. Andreas stellte unser Tool zur Erhebung und Auswertung von Verkehrsmessdaten in virtuellen Räumen vor. Mit der Software können Inselbetreiber das Verhalten von Besucheravatare messen, analysieren und statistisch auswerten.

Im Anschluss erfolgte eine Pause, in der die Konzertpianistin und Klavierlehrerin Lydia Gorstein mit virtuoser Leichtigkeit die „heiße Schlacht ums kalte Buffet“ in einen fast anmutigen Tanz verwandelte.

So haben es die Veranstalter Tobias Neisecke und Jan Northoff hinbekommen, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist ihrer Gäste zu erfrischen!

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Im vierten Panel ging es schließlich um die Frage, ob das Open Grid tatsächlich schon eine professionelle Business-Plattform bietet, oder nicht eher ein Spielplatz für Freaks ist.

Hier waren Melanie Thielker von 3DHosting/OpenSimulator, Kai Ludwig von TalentRaspel virtual worlds ltd., Michael Steinmetz von Primforge bzw. virtyou GmbH aus Berlin, Christian Scholz von COM.lounge und Jules Vos von Visibuild auf dem Podium vertreten.

Nach 80 minütiger Diskussion kamen sie übereinstimmend zu dem Ergebnis: Das Open Grid ist bereit für den Ansturm der Investoren!

Nur habe ich leider das Gefühl, als ob einige der 1.0 sozialisierten, potentiellen Investoren noch zu sehr in den dunklen Gespinsten ihrer Krise gefangen sind, als dass sie die Blickweite besitzen, die neuen Chancen zu erkennen. Und die, die den nötigen Durchblick haben, fehlt das Geld und die Kunden, um ihre Produkte zu vertreiben. Das 3D-Internet ist bereit für die Zukunft. Das ist die Erkentniss, die ich an diesem Wochenende gewonnen habe. Deshalb ist es wichtig, dass die aktuellen Kompetenzträger im nächsten Schritt auf potentielle Investoren zugehen.

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Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.