Pia Piaggio in der Simulation

Computersimulationen haben schon seit vielen Jahren ihren festen Platz in den Wissenschaften. Sie ermöglichen Prognosen für allerlei zukünftige Szenarien in vielerlei Bereichen, und sei es nur die der alltäglichen Wettervorhersage.

Mit der Entwicklung und Popularisierung des Web 3D ergeben sich aufgrund der hohen Immersion, die dort erreicht werden kann, noch ganz andere Möglichkeiten für den Einsatz von Simulationen.

In diesem Zusammenhang heißen sie Digitale Lernspiele, werden aber aus marketingtechnischen Gründen auch gern Serious Games genannt – letzterer ein Begriff, der mir ein wenig unglücklich erscheint, wirkt er doch auf Unkundige eher wie ein ernstes Spiel und erzeugt unter Umständen Assoziationen an Grausamkeit und Brutalität als Spielinhalte.

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Avatare als Akteure

Doch in Wahrheit geht es darum nicht. Vielmehr geht es um Inhalte, die in der Virtualität spielerisch erlernt, erprobt oder erkundet werden können. Das Web 3D bietet hervorragende Möglichkeiten, um Szenarien zu entwerfen, in denen beispielsweise Verhaltensweisen getestet oder eingeübt werden können.

Die Avatare werden zu Akteuren, die eine Situation meistern müssen. Mit Hilfe von Scripten reagieren die Szenen bildenden Objekte in einer bestimmten Art und Weise und verdeutlichen damit die Konsequenzen einer jeden Handlung oder Aktion.

Aber auch nicht steuerbare interaktive Prozesse unter den teilnehmenden Avataren können entscheidend für den Verlauf eines solchen Serious Games sein.

Spielerischer Ernst

Derzeit beliebte Einsatzgebiete sind das Recruiting, in denen Firmen ihre Bewerber besonders in Hinblick auf deren Teamfähigkeit prüfen, oder Schulungen für den Verkauf neuer Produkte, oder auch zur Ausbildung zum Beispiel von Krankenpflegepersonal, das anhand des virtuellen Patienten einige Routinebehandlungen erlernen kann, oder nicht zuletzt für Trainings im Falle einer Katastrophe wie zum Beispiel für die Feuerwehr.

Die Welt verbessern

Weiterhin im Angebot sind Serious Games unter anderem zu den Themen Umwelt, Armut und Hunger, Gesundheit oder Politik. Zum Beispiel kann man zum virtuellen Politiker avancieren und in den Bundestag einziehen.

Oder man nimmt als virtueller Journalist an den Unruhen im Gaza Streifen teil. Das Angebot ist noch recht übersichtlich, haben sich doch die Möglichkeiten dazu erst durch die gewaltigen Fortschritte im Bereich der OpenSim-Technologie ergeben.

Das Thema Serious Games ist noch brandneu, scheint aber ein echtes Potenzial zu haben. Denn wie kann man sich und sein Umfeld besser erkunden, als spielerisch? Und welche Lehrmethode ist effizienter, als die Spielerische?

Brände löschen

Unter dem Namen „Kitchen Fire“ hat Swiss Project zur Wohnungsbrandursache Nummer eins eine Simulation geschaffen. Sie ist derzeit das einzige öffentlich zugängliche Serious Game im Second Life und alle Avatare sind eingeladen, dort ihre Brandschutzkenntnisse
zu verbessern.


Pia Piaggio

„Ist das nicht unheimlich gefährlich?“, fragt Pia Piaggio erschrocken. Also für mich persönlich nicht. Was aus Pia nach dem Küchenbrand wird, das werden wir ja sehen. Das hängt natürlich entscheidend von ihren Handlungen ab. „Aha“, meint sie, „das kann also ´ne richtig heiße Nummer werden, glaubst du?“ Ja, ich vermute schon.


Pia Piaggio

„Na gut, dann gehen wir das halt mal an“, beschließt Pia und tippelt gleich darauf den von prasselnden Feuertonnen gesäumten Weg in Richtung Kitchen Fire Pavillon.


Pia Piaggio

„Lernen durch Erleben“, liest Pia laut vor, als Sie das Infoschild betrachtet.

„Wusstest Du eigentlich, dass man dabei den höchsten Lernerfolg hat? Beim Erleben, ist man hundertprozentig bei der Sache; mit all seinen Sinnen und das ist eben supereffizient“, plappert sie auf mich ein, als wäre gerade mir das nicht klar wie ein Glas Wasser.


Pia Piaggio

Im Foyer dieses kleinen Gebäudes, in dem man so Wichtiges lernen kann, gibt es noch weitere Infotafeln zu studieren.


Pia Piaggio

Zum Beispiel den Leitsatz Nummer eins: Erst alarmieren, dann retten und dann löschen.

„An diesen Ablauf sollte man sich strengstens halten“, belehrt mich Pia. Okay, darüber hatte ich so noch gar nicht nachgedacht. Es gibt also tatsächlich so etwas wie ein universales Vorgehen, das recht leicht zu behalten ist.


Pia Piaggio

Auf einem Display läuft eine Diashow ab, die einige Brandsituationen aus der ganz realen Welt zeigt. „Oh je,“, klagt Pia bestürzt, „da brennt der Dachstuhl dieses schönen Fachwerkhauses schon beinahe lichterloh!“


Pia Piaggio

„Und so sieht’s dann wohl aus, wenn das Feuer endlich gelöscht ist. Da ist ja alles tiefschwarz!“, analysiert sie die Brandstelle mit einigem Entsetzen.


Pia Piaggio

Dann stapft sie entschlossen in Richtung Brandschutztür. „Da will ich doch wirklich mal wissen, wie man einem solchen Desaster verbeugen kann.“


Pia Piaggio

Einige Tipps gibt es in Schriftform, aber was liest man nicht alles und vergisst es dann wieder. Besser ist es sicher, diese guten Ratschläge mal in die Tat umzusetzen – das prägt sich tiefer ein.


Pia Piaggio

Mit einem Touch auf die schwere Tür öffnet sich diese knarzend. „Gütiger Linden steh‘ mir jetzt bei“, seufzt Pia tapfer und atmet noch einmal tief durch.


Pia Piaggio

Dann betritt sie den Raum und mit einem dumpfen rumms fällt die Brandschutztür hinter ihr ins Schloss. „Also das ist ja schon mal vorbildlich“, meint sie, „direkt in der Diele hängt ein Feuerlöscher. Da kann ja quasi gar nix mehr passieren“, frohlockt sie.


Pia Piaggio

Noch ist alles völlig im feuerfreien Bereich. Pia setzt sich entspannt auf einen der Hocker und harrt der Dinge. „Hi Pia Piaggio! Welcome to the „kitchen fire“ on swiss projects. Simulation is now ready”, erscheint es dann im Chat und Pia macht sich bereit.


Pia Piaggio

Bisweilen brutzelt ein Spiegelei auf dem Ofen, die Fritteuse brät vor sich hin und der Duft nach Kürbisküchlein erfüllt nach und nach den Raum.

„Imagine, you’re visiting a friend and you are preparing a delicious menu together. The recipe is on the counter:
Sopaipillas – Fried pumpkin cakes”, erscheint die Regieanweisung im Chat. “Meinst du, das schmeckt?”, will Pia stirnrunzelnd von mir wissen.


Pia Piaggio

Mit einigem Interesse liest sie sich das Rezept durch. „ It rings at the door, and your girlfriend leaves you alone for a while. In the fryer, the rapeseed oil is warming up ….”Pfui Teufel, entfährt es mir bei dieser Anweisung, in Rapsöl frittiertes ist sicher nichts für meinen olivenölverwöhnten Gaumen. Aber gut, ist ja nur ein fiktives Detail innerhalb der Küchenrand-Simulation.


Pia Piaggio

„Oh je, jetzt riecht’s hier aber verbrannt“, bemerkt Pia nach einer Weile und nähert sich der Fritteuse. „Oha, es qualmt ja schon!“, fügt sie dann aufgeregt hinzu. „Uuii! What a smoke? Handle quickly and correctly!”, wird sie aufgefordert.


Pia Piaggio

Denn schon im nächsten Moment ertönt ein piepsender Warnton aus der Fritteuse, die offenbar ein TÜV geprüftes Modell ist. Fasziniert schaut Pia auf die Flammen, deren zunächst sanftes Geprassel schon den Raum erfüllt. Die Flammensäule steigt höher und höher.


Pia Piaggio

„Oh shit, was mach‘ ich nu?“, denkt Pia laut und schaut sich um. Gleich hinter ihr entdeckt sie einen Eimer voll altem Wischwasser, der nach dem Hausputz wohl glücklicherweise vergessen wurde. Also schnappt sie sich den Kübel und schüttet mit einem vollendeten Schwung das gute Nass in Richtung Brandherd.


Pia Piaggio

Es zischt fürchterlich. Die Flammen lodern auf und greifen in Sekundenschnelle um
sich. Es prasselt. Glas zerspringt klirrend.


Pia Piaggio

Pia schaut verdutzt drein und erhält seitens Regie den sofortigen Rüffel: „Oh my god!! Never put water over the oil!”, steht dort als Erklärung zu diesem ungewollten Inferno.

Pia denkt scharf nach, erinnert sich schließlich an den Feuerlöscher und toucht ihn hektisch an. „You are trying to extinguish the fire with the fire extinguisher … you couldn’t stop the fire completely with the fire extinguisher.”

Schock, schwere Not, der Schaum tut’s nicht mehr, das Feuer ist schon zu stark geworden!


Pia Piaggio

Also versucht sie es mit der Löschdecke, die ebenfalls mustergültig an einer Wand hängt.

„You are trying to stop the fire with the fire blanket … but the fire can ignite again when uncovered, as the fryer is still plugged in.”

„You are trying to stop the fire with the fire blanket … but the fire can ignite again when uncovered, as the fryer is still plugged in.” Was für ein derber Schlamassel! „Was soll ich denn nur tuuuun?“, ruft Pia mit einem deutlichen Unterton von Stress aus. „An den blöden Stecker komme ich doch gar nicht mehr ran!“


Pia Piaggio

Da hilft jetzt wohl nur noch, was man eigentlich zu aller erst tun sollte: Alarmieren.

Pia toucht eilig auf das Telefon. „Type the telephone number of the firefighters into the chat!” Öööhh, wie ist die doch gleich? 118 vielleicht? „Well done. The fire department is alerted …“


Pia Piaggio

Gleich darauf ertönt das Geheul einer Sirene und draußen taucht tatsächlich ein Löschfahrzeug auf.


Pia Piaggio

Ein tapferer Feuerwehrmann stürmt die Küche und spritzt mit Löschwasser nur so um sich. Es zischt unheimlich und Pia schaut bewundernd und ehrfürchtig auf den Heil bringenden Rüssel in seinen Händen.


Pia Piaggio

Die rauchgeschwärzte Küche liegt nun in eine Dampfwolke gehüllt da. Seitens Regie wird die Szenerie recht trocken kommentiert: „Your kitchen is completely destroyed. Fortunately, only in the simulation.”


Pia Piaggio

Pia blickt sich betroffen in dieser finsteren Gruft um. „So ein Bockmist, Stephy, ich habe alles niedergebrannt“, flucht sie. Na ja, das passiert schon mal. Wir sind ja hier in der Simulation, um ein bisschen Übung für den Ernstfall zu bekommen.

„Sollen wir das einfach nochmal versuchen?“, schlägt Pia kleinlaut vor. Ah ja, klar doch.

Schließlich wissen wir jetzt schon einiges mehr. „The simulation can be started again, press the green start button on the blue screen on the wall.”


Pia Piaggio

Nach Anklicken jenes Buttons verwandelt sich die Küche wie durch Zauberhand wieder in ihren Urzustand.


Pia Piaggio

Die Simulation läuft erneut ab. Erst qualmt das Frittiergerät, dann lodern die züngelnd Flammen auf.


Pia Piaggio

Ganz lässig und entspannt klickt Pia die Löschdecke an und wirft sie auf den Brandherd. „So ersticken sie“, ruft sie mir hoffnungsfroh zu. Stimmt. Aber auch nur dann, wenn gleichzeitig der Stecker von dem Brutzelding gezogen wird. Sonst heizt es nämlich kontinuierlich nach und das entzündet früher oder später selbst die dickste Löschdecke.

Fangen wir also gleich nochmal an.

Die Simulation lässt sich glücklicherweise zu jedem Zeitpunkt stoppen und wieder neu starten.


Pia Piaggio

Also, Pia, die Fritteuse qualmt. Was machst du? „Mich beeilen“, antwortet sie spontan.

Ja, aber mit was beeilen?


Pia Piaggio

„Eehhm, zuerst alarmiere ich die Feuerwehr, dann rette ich die Fritteuse, indem ich den Stecker ziehe und dann lösche ich…… meinen Durst, denn brennen kann es ja dann nicht mehr“, strahlt sie mich triumphierend an.

Super, Pia, einfach spitze. Bleibt nur zu hoffen, dass die Rechnung der für Nichts anrückenden Feuerwehr nicht gar zu hoch ausfällt.

„Wie?“, keift Pia nun. „Du meinst, ich muss was dafür bezahlen, dass ich genau nach Anweisung handle?“ Tja, so genau weiß ich es nicht, aber sein könnte es schon. Wie auch immer, Pia hat jedenfalls einiges gelernt.

Am besten ist es sicherlich, wenn ein Feuer gar nicht erst um sich greift und dies stellt die Handhabung der richtigen Maßnahmen sicher.

„So Simulationen sind eine interessante Sache“, resümiert sie unseren Ausflug. Das finde ich allerdings auch. Und ich freue mich schon auf weitere Projekte dieser Art. Ein nettes Dankeschön an Swiss
Project für den klasse konzipierten und höchst lehrreichen „Küchenbrand“.

Über twuertz

Tobias arbeitet seit Ende 2009 für avameo bzw. für SLTalk & Partner.

Kommentare

  1. Nergiz Kern says:

    Hallo

    Falls es euch interessiert, wie man diese Küchenbrand-Simulation für einen Sprachunterricht nutzen kann, könnt ihr auf meinem Blog einen Unterrichtsplan, Fotos und Videoauafzeichnungen finden. Am Ende ist auch eine Diskussion mit Lehrern und Schülern: http://slexperiments.edublogs.org/2010/01/25/its-burning-what-now/

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  1. […] As part of the “Teaching Languages in a Virtual World” session, I gave a demo lesson using a kitchen fire simulations. This is a Swiss project and you can reed more about in English here und auf deutsch hier. […]

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