Pia Piaggio in der Matrix

Im Grunde habe ich Pia völlig unbeabsichtigt auf ihren heutigen Streifzug vorbereitet. Neulich jagte ich sie ja auf das OpenSim Projekt der Schweiz. Nun ahnte ich da noch nicht, dass dies sozusagen erst die auftauchende Schnauze einer Karosse Typ Hypergrid ist, die sich seit etwa eineinhalb Jahren aus dem Nebel virtueller Welten langsam herausschiebt. Aufgrund ihres Muts zum Aufbruch in OpenSim Projekte bekam Pia eine Einladung vom TalentRaspel-Team dieses Vehikel einmal näher kennenzulernen. Einfach einzusteigen und ein Stück weit mitzufahren.

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Ragout von geraspelten Talenten

Jenes Team betreibt nämlich das vor knapp einem Jahr gegründete Unternehmen TalentRaspel virtual worlds Ltd. das sich dem Angebot, der Konzeption und Realisation von Grids widmet. Ob als offene Welt, hobbymäßig betrieben und eingebunden ins Angebot von OpenSim, oder als geschlossenes Grid mit eingeschränktem Zugang für Unternehmen, also einer Art 3D Intranet, ist den Spezialisten Kai Ludwig und Bayram Kansu egal. Kai Ludwig ist Informatiker, Bayram Kansu Betriebswirt und beide sind diplomiert – eine Kombination also, die nahezu alle Herausforderungen individueller Grid-Lösungen bewerkstelligen kann. Ihr für solche Vorhaben zusammengestelltes Softwarepaket Sim-O-Box macht quasi alles mit. Sim-O-Box ist der Schlüssel zur Kreation neuer Welten, die wahlweise über OpenSim frei zugänglich sind oder intern betrieben werden können. Und das auch noch nach dem Motto „Alles drauf und scharf“, sprich nach der Installation kann es sofort losgehen.

Erhebliches Zukunftspotenzial

„Langsam, langsam“, unterbricht mich Pia Piaggio. „Du meinst, diese Jungs da, diese Talentraspler, die können zig solcher Welten wie das Second Life erschaffen?“ Ich nicke andächtig. „Also, du willst damit sagen, die kreieren nicht nur eine Welt, wo man Land kaufen und gestalten kann, sondern direkt ganze Grids, also lauter eigene Welt?“ Yeep, Pia. „Also, du behauptest“, hakt sie nochmals nach, „ich könnte da jetzt einfach hin und meine eigene Second Life Welt gründen?“ Im Prinzip schon. „Na, dann nix wie los“, jauchzt sie und ich bin ganz überrascht, denn für Bauen und Scripten war Pia bisher ja nie zu haben. „Will ich auch nach wie vor nicht“, wendet sie keck ein, „aber was da so abgeht, das interessiert mich schon.“

Auf die Vorbereitung kommt es an

Na wunderbar. Ich vertröste Pia eine Weile, denn zunächst muss ich noch den Hippo OpenSim Viewer installieren. Er fungiert ähnlich wie ein 2D Internet Browser, nur dass er statt Webseiten Grids öffnet. Mit ihm kann ich dann im Hypergrid navigieren und mich ins OpenSim Club Grid einloggen. Betreut werde ich dabei vom TalentRaspel Team, das mir per Mail oder via Skype so lange beisteht, bis die Zugangssoftware läuft und mein, äähhh Pias, Einstieg ins Club Grid funktioniert. Die in Kürze bevorstehende offizielle Eröffnungsfeier mit dem Titel „Die Matrix öffnet sich“ wird noch dazu mit einem Testbesuch aller eingeladenen Gäste vorbereitet, der sicherstellen soll, dass am Tag der Tage alles einwandfrei funktioniert.

Pia Piaggio

So schafft es auch die gute Pia Piaggio problemlos zum Testbesuch zu erscheinen. Sie taucht als recht passable Erscheinung vor dem nagelneuen Sternenhimmel des Club Grids auf. Dafür hatte man in Düsseldorf und Karlsruhe in mühseliger Kleinarbeit die Einstiegs-Avatare eigenhändig ent-ruthet, will man doch seinen Klubmitgliedern ein adäquates Debut bieten und keinen Unmut über ein antiquiertes Newbie Konterfei wecken. So aufwändig war die Ent-Ruthung nicht zuletzt deshalb, weil penibel auf die Einhaltung aller erdenklichen Copyrightrechte geachtet wurde, deren Reglement derzeit noch in einem schwach definierten Raum schwebt und darum um so vorsichtiger zu behandeln ist. Eine vorausschauende Maßnahme, die bei Nichtanwendung leicht eine ganze virtuelle Welt zum Einsturz bringen kann.

Pia Piaggio

„Stell mal auf Mittag“, fordert mich die im Dunkeln tappende Pia auf. Mach ich. Dann probiere ich die Kameraperspektive aus. Funktioniert alles genauso, wie im Second Life, das ist schon mal gut. Verabredet ist die ganze Avameo Redaktion mit den Talentrasplern, die mit diesem Vorabtreffen ein optimales Laufen des Club Grids bei der Eröffnung sicherstellen wollen. „Das nenn ich mal eine hyperkorrekte Vorbereitung“, raunt Pia mir zu.

Pia Piaggio

Friendly Riddler aka Bayram Kansu und Internet Engineer aka Kai Ludwig erwarten uns schon. Steward Drumbeat taucht als nächster aus dem Nichts auf und gesellt sich zur Runde. „Hi Steward“, hackt Pia in den Chat, denn leider hat’s mit der Installation ihres Voice noch nicht geklappt. Da gab es gewisse Vista-Überraschungen, die im Trubel der Ereignisse noch nicht gelöst werden konnten. Aber Pia Piaggio merkt davon gar nichts. Sie denkt ehedem, VoiceChat gäbe es nur im Second Life und wird sicherlich überrascht sein, wenn sie im Club Grid demnächst ebenfalls plappern kann. Dafür sind nur noch einige trickreiche Verknüpfungsmanöver nötig, und schon kann sie mitreden.

Pia Piaggio

Ein wenig verloren wirkt das Avatar-Grüppchen auf dem gewölbten tellerrunden Eiland irgendwo im endlosen Gridozean. „Hier ist ja wirklich nichts!“, ruft Pia aus, nachdem sie sich eingehend umgeschaut hat. Wohl war. So ist das meistens, wenn etwas gerade beginnt.

Pia Piaggio

Darum versammeln sich hier ja auch gerade wahrhaftige Pioniere. „Dann sind Pioniere wohl welche, die gern bei null anfangen“, vermutet Pia und dreht sich zu Patrick Wunderland um, der an der Wasserkante auftaucht.

Pia Piaggio

Gleich darauf erscheint Windfairy Welles und sie ist tatsächlich so blond, wie Gott sie schon im RL schuf. Eine aufmerksame Geste der Talentraspler, über die Windy sich wirklich freut. Damit ist das Team von Avameo komplett. Jetzt kann getestet werden. „Was wird hier eigentlich getestet?“, flüstert die ahnungslose Pia mir zu. Ah ja alles halt. Ob was lagt, ob was crasht oder ob was down geht eben.

Pia Piaggio

Steward macht auch gleich die Probe aufs Exempel. Er zaubert einen Quader hervor und beginnt zu bauen.

Pia Piaggio

Das scheint ansteckend zu sein und gleich darauf taucht ein weiteres Objekt auf. „Die beginnen jetzt zu builden“, kommentiert Pia die aktuelle Entwicklung.

Pia Piaggio

Ja, das ist ja auch gut so, dafür sind wir schließlich hier. Pia starrt auf den stetig wachsenden Pylon. „Der Stew will sicher probieren, wie hoch man hier bauen kann“, mutmaßt sie. Bestimmt. Er testet die Performance, so könnte man das auch ausdrücken. „Wegen mir“, tut sie meine Bemühung um sprachliche Genauigkeit ab.

Pia Piaggio

Gleich darauf färbt sich diese Säule in grell leuchtendes Rot. „Na, das funktioniert doch alles einwandfrei”, urteilt, Pia und schreitet näher an die Leuchtsäule heran.

Pia Piaggio

So langsam kommt Freude am Bauen und Ausstatten auf. Patrick experimentiert mit einem pinkfarbenen Kasten, Windy setzt sich auf die Wiese und zerrt Pflanzen aus ihrem Inventar.

Pia Piaggio

Stew versucht sich mittlerweile an Poseballs. „Sag mal, warum ist der Patrick denn eigentlich so schwarz?“, will Pia wissen. Keine Ahnung. Liegt vielleicht an seiner Grafikkarte. Oder er will halt einfach schwarz sein. „Glaub ich nicht……“ Mitten im Satz gibt es zwischen uns eine Art Erschütterung und Pia wird rückwärts ins Meer gezogen.

Pia Piaggio

„Aaaahhh“, kreischt sie, „Stephy, was WAR das?“ Der Chat gibt darüber Auskunft. „Da ist was explodiert“, schreibt Friendly, und ich sehe schon die Server in Karlsruhe qualmen. Aber Blödsinn, das war ja nur eine virtuelle Explosion, also folgenlos sozusagen. Pia kraxelt einfach wieder aufs Eiland.

Pia Piaggio

Von Patrick und Steward ist keine Spur mehr. „Das waren bestimmt die Bombenleger“, unterstellt Pia und auch Friendly hält das nicht für ausgeschlossen.

Pia Piaggio

Windy setzt derweil ihre Arbeit an der lieblichen Inselbegrünung fort.

Pia Piaggio

Wie eine Zauberin zückt sie einen Baum nach dem anderen aus ihrer Schatzkiste im Inventar. „Ob das jetzt modern ist mit dem gelben Beinkasten?“, wundert sich Pia über Windys Accessoire in Oberschenkelhöhe.

Pia Piaggio

Darum geht es glaube ich gar nicht. Es geht um ein lauschiges Wäldchen auf diesem öden Eiland, das Windy innerhalb weniger Minuten erschafft. „Total süß“, findet Pia das und ermuntert Stew, seinen roten Pfahl wieder einzupacken.

Pia Piaggio

„Das sieht doch schon ganz anders aus“, frohlockt sie, als das phallische Symbol von jetzt auf gleich verschwindet. Sie schlägt ein Gruppenfoto im Wald der Pioniere vor.

Pia Piaggio

Sich dort zu versammeln, dauert dann doch einen Moment. Der erste Lag taucht auf und keiner kann sich mehr bewegen. Nach einem Restart stellen die Spezialisten fest, dass dies wohl an Steward und Patrick gelegen hat, die sich offenbar bis zur Grid-Grenze vorgewagt, und damit die Stabilität herausgefordert hatten. „Da müssen wir wohl noch nacharbeiten“, chatet Friendly.

Pia Piaggio

Mittlerweile sind fast zwei Stunden vergangen und es bleibt nur noch Zeit für ein schnelles Foto, dann ruft das Reallife. Aufbruchstimmung macht sich breit.

Insel mit Bäumen

Für die Eröffnung in zwei Tagen ist jetzt alles ausgetestet. Vieles funktionierte gut, manches weniger, was die Talentraspler jedoch nicht weiter überrascht. Bis zum Samstag würden sie im Labor noch einiges verrichten können, versichern sie. Immerhin erwarten sie zwanzig Gäste und dafür muss so ein Grid schon sehr rund laufen, damit es auch Spaß macht.

Pia Piaggio

Am 21. Februar habe ich dann zunächst echte Schwierigkeiten, meine Pia dort im Club Grid zu treffen. Pia erscheint eingeloggt, obwohl sie outworld ist.

Pia Piaggio

Oder das Einloggen scheitert an der Verbindung zur Region. Oh je, nun ist es kurz vor vier und Pia ist sicher schon granatensauer, dass ich sie nicht endlich abhole.

Pia Piaggio

Schließlich komme ich endlich rein, aber Pia schwebt dort als weiße Nebelblase. Beim Versuch, davon einen Snapshot zu erheischen, fliege ich wieder raus aus dem Grid. Ich versuche es erneut und mache das Foto nun eben mit der Screenshot-Funktion meines Rechners.

Pia Piaggio

Aus dem kleinen runden Eiland ist ein recht stattliches Viereck geworden. Endlich schält sich der Kreis der Teilnehmenden aus dem Nichts. Pia ist zwar immer noch diese gestaltlose Wolke, aber immerhin funktioniert die Fotokamera jetzt, wenn auch sehr langsam.

Pia Piaggio

Die anderen scheinen keine Schwierigkeiten zu haben und vermutlich liegen Pias Probleme an meiner Funkverbindung, die Samstagsnachmittags generell sehr überlastet ist.

Pia Piaggio

Irgendwann schafft Pia dann tatsächlich ihre Entpuppung und pflanzt sich direkt neben Beacara Boa. „Hey, das ist doch die Bea von der LifeArt Gallery! Hi, nett Dich hier zu treffen“, freut sich Pia.

Pia Piaggio

Mit in dem Halbkreis um die Talentraspler herum sitzen Patrick und Windfairy. „Meinst du, Windy hat es auch mit der Karte, oder will sie blau sein?“, interessiert es Pia. Es ist Karneval, erkläre ich ihr, und da ist prinzipiell alles möglich und erlaubt.

Pia Piaggio

Etwas weiter rechts sitzen Case Schnabel und Roko Johin. „Der Case ist von FinisTerrae“, flüstert Pia mir aufgeregt zu. Und Roko? „Weiss nicht genau. Jedenfalls wieder einer mit ´ner Kiste an. Diesmal eine Art Kopfschachtel. Das scheint ein echter Trend zu werden“, prophezeit sie. Na, ich weiß ja nicht. Nose Mann und Inwe Ivory, die auch unter den Klubgästen weilen, tragen so was jedenfalls nicht. „Ich glaube, alle zusammen nennen sich die Guglmänner“, wispert Pia noch.

Pia Piaggio

Etwas abseits sitzt Dieter Binder und lauscht gespannt den Worten der Talentraspler. Alle Klubmitglieder sind eingeladen, das Club Grid zu gestalten. Dabei handelt es sich um reine Missionarsarbeit mit der Aufgabe, das 3D Internet und OpenSim bekannt zu machen. „Aber das Second Life kennt doch mittlerweile jeder“, zischelt Pia mir zu. Weia Pia, erstens kennen es immer noch wenige, wenn auch viele derweil etwas davon gehört haben. Und zweitens ist 3D Internet nicht gleich Second Life. Es gibt doch noch massenhaft andere 3D Welten. „Jadoch, aber warum eigentlich? Das Second Life ist doch toll!“, findet sie. Völlig korrekt, aber es hat eben auch seine Nachteile. „Ach ja, was denn?“, forscht sie nach. Nun ja, man hat eben keinen Serverzugriff, den hat nur LindenLab. Den Serverort kann man demnach nicht entscheiden, der ist auf jeden Fall in den USA. Und Zugangsbeschränkungen lassen sich auch nur schwer einbringen, sodass alle internen Angelegenheiten quasi öffentlich zugänglich sind. „Was meinst du mit internen Angelegenheiten?“ Na ja, Schulungsmaterial zum Beispiel oder Forschungsergebnisse, Designstudien, Produktinformationen und so fort.

Pia Piaggio

Während meines Zwiegesprächs mit der unwissenden Pia haben die Clubmitglieder schon wieder das ein oder andere Objekt postiert.

Pia Piaggio

Windfairy zaubert eine gehisste Flagge hervor und auch Pia beginnt zu meinem Erstaunen mit irgendeiner Bastelei. Heraus kommt eine Art Glückwunschkarte für das Projekt. Ich bin hingerissen, scheint sie diese Atmosphäre doch endlich zum Bauen zu inspirieren. „Ein bisschen. Wenigstens mal anfangen“, säuselt sie und lächelt dabei schüchtern.

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Noch bis weit in die clubgridlichen Abendstunden hinein wird der OpenSimulator Club mit Ideen und Anregungen gestopft. Gesetzt wird auf fruchtbare Synergieprozesse des technischen, kreativen, organisatorischen und kommunikativen Potenzials aller Klubmitglieder, das in der Tat nicht unerheblich ist. Zwecks Steuerung dieser Prozesse entstehen Arbeitspapiere, die festhalten, mit was und wie die neu gegründete Welt ausgestattet werden soll. Auf dieser Basis wird ein virtueller Erschließungsplan gestaltet – ganz so, wie bei einem realen Bebauungsprojekt –, der die Zonen der einzelnen Aktivitäten und Angebote definiert.

Dann geht es daran, Content zu schaffen, also die Ideen in virtuell begehbare und erlebbare Angebote umzusetzen. Erst wenn diesbezüglich eine „…..kritische Masse….“ erlangt ist, wird das Club Grid seine Pforten für alle Interessierten öffnen. Eine kluge Planung, die den Stempel einer soliden ökonomischen Planung trägt und ganz sicher dazu beiträgt, das OpenSim Club Grid zu einem Erfolg von Anfang an zu machen.

Was die zukünftigen Besucher dort einmal erwarten könnte, das ist natürlich noch ein Geheimnis, dem Pia Piaggio jedoch hart auf den Fersen bleibt. Bald mehr über dieses bestens präparierte OpenSim Projekt von TalentRaspel hier bei Avameo.

Kommentare

  1. :-D Schöner Artikel, toll, wie du das alles so akribisch dokumentiert hast – an diese ersten Schritte werden wir uns später bestimmt noch gerne erinnern. Windfairy lässt Pia übrigens ausrichten, dass sie sie gerne auf einen Crashkurs in Building ansprechen kann, wenn sie Lust hat, mehr zu bauen! Viele Grüße
    Gaby aka Wind

  2. Pia Piaggio says:

    Ein sehr nettes Angebot, danke! Im Fall der Fälle komme ich gern darauf zurück ;-)

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